Zum  Dezember 2014:

 

Ach lieber Herr, eil zum Gericht! Lass sehn dein herrlich Angesicht,

das Wesen der Dreifaltigkeit. Das helf uns Gott in Ewigkeit.“ (EG 6,5)

 

Natürlich freuen wir uns in der Adventszeit auf den immer heller leuchtenden Stern von Bethlehem, der uns zur Krippe Jesu führt, liebe Gemeinde. Aber die Adventszeit weiß noch mehr: Sie weiß um das Ende von allem. Und am Ende von allem hoffen die einen und befürchten die anderen: das Gericht Gottes, die Bewertung des Lebens. „Ach lieber Gott, eil zum Gericht", bittet, ja, fleht das Lied. Wenn Gott um Eile gebeten wird, dann können sich die ja nicht fürchten, die ihn darum bitten. Es gibt also bei vielen Menschen die Hoffnung, Gott möge bald Gericht halten.

Diese adventliche Hoffnung gibt es, weil viele Menschen Unrecht empfinden. Manche empfinden ihr ganzes Leben als eine einzige Ungerechtigkeit, die an ihnen begangen wurde - von anderen Menschen, von bösen Umständen oder sogar von Gott selbst. Viele Menschen tragen die Empfindung in sich, dass aus ihnen nie das werden konnte, was sie gerne geworden wären. Die Umstände oder andere Menschen waren dagegen. Man hat sie nicht gelassen. Sie konnten nie zeigen und werden, was in ihnen angelegt war. Nur Gott kann all das wieder zurechtbringen. Nur Gott kann das Leben bewerten. Am Ende der Zeit, also dann, wenn Gott will, wird ein Gericht sein. Fürchten müssen das nur Menschen, die sich in ihrem Leben mehr um sich selbst und um ihr Ansehen in der Welt gekümmert haben als um Gott und sein Liebesgebot. Auf das Gericht hoffen dürfen die, die in ihrem Leben Ungerechtigkeit empfunden haben, vielleicht Willkür oder bewussten Schaden, den man ihnen antat. Wir dürfen vor Gott den Mangel ausbreiten, den wir im Leben empfunden haben; wir dürfen Gott selbst sagen, was uns verfehlt erscheint und wo wir uns unschuldig sehen; wir dürfen ihn fragen, warum er uns leiden lässt.

Auf all das wird Gott reagieren und uns antworten. Wir wissen nur nicht, wie und wann. Wenn Gott kommt, soll er uns liebend finden. Auch in diesem Jahr.

 

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen

 

Ihre Swetlana Bossauer

 

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